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Konzept Infrastruktur

Der Quartiersserver: Ein digitaler Verein

Gemeinschaft, Selbstverwaltung und lokale Kontrolle über digitale Infrastruktur

Die Vereins-Analogie

Ein Verein ist eine einfache, bewährte Struktur: Menschen mit gemeinsamen Zielen schließen sich zusammen. Der Verein verfügt über Räume (zum Trainieren, Treffen, Arbeiten), Ressourcen (Geräte, Material), Regeln (Satzung, Mitgliedschaft) und eine Kultur (Werte, Normen, Rituale).

Der Quartiersserver folgt exakt dieser Logik – nur dass die "Räume" und "Ressourcen" digital sind. Statt eines Fußballplatzes bieten wir einen Kommunikations-Server. Statt gemeinsamer Werkzeuge stellen wir digitale Infrastruktur bereit. Und wie im Verein entscheiden die Mitglieder selbst, wie diese genutzt wird.

Warum wir unseren eigenen Server bauen

Wir werden behandelt, als wären wir nicht smart genug, selbst entscheiden zu können. Stattdessen wird uns eingeredet: "Das ist zu kompliziert, lass uns das machen." Und bevor wir's merken, zahlen wir 15 CHF/Monat für Musik-Streaming, 20 CHF für Cloud-Speicher, 25 CHF für Office-Software. Ein paar Abos später verstehen wir nicht mal mehr, wo unser Geld hingeht – und vor allem: wo unsere Daten sind. Irgendwo in Amerika wahrscheinlich.

Das fundamentale Problem: Diese Plattformen müssen überall auf der Welt funktionieren. Sie brauchen Millionen Nutzer, um profitable zu sein. Also bauen sie Lösungen für jeden – und passen sich keiner Gemeinschaft wirklich an. Ein Chat-Feature, das in New York Sinn ergibt, ist für Basel unnötig kompliziert. Ein Musik-Algorithmus, der für Milliarden optimiert ist, kennt die 500 Menschen in deinem Quartier nicht.

Wir brauchen nicht viel. Wir brauchen nicht die beste, größte, schnellste Lösung. Wir brauchen eine, die zu uns passt. Zu unserem Quartier. Zu unseren Nachbarn. Das ist viel einfacher, weil wir genau wissen, was wir wollen.

Das Fiese ist: Es ist nicht kompliziert. Einen Musik-Server bauen? Möglich. Einen Chat-Server betreiben? Machbar. Daten sicher speichern? Nicht unmöglich. Nur unbequem – weil Konzerne das Gegenteil behaupten, um uns abhängig zu machen.

Der Quartiersserver sagt: Das schaffen wir selbst. Nicht weil wir Idealisten sind, sondern weil es funktioniert. Weil wir nicht wollen, dass irgendeine Firma unsere Musik sperrt, wenn wir den Abo nicht zahlen. Weil wir wissen, wo unsere Daten sind – im Quartier, bei Menschen, die wir kennen. Weil wir die Kontrolle behalten und auf unsere eigenen Bedürfnisse eingehen können.

Konkrete Lösungen: Selbstgemacht statt Abonniert

Musik & Medien

Wir bauen unseren eigenen Musik-Server für die lokale Community. Jede:r kann die Musik hochladen, die sie privat besaß. Das Ergebnis: Ein Musikarchiv der Nachbarschaft, ohne Spotify-Abhängigkeit, ohne monatliche Gebühren.

Kommunikation

Statt WhatsApp – das der Facebook-Konzern kontrolliert – nutzen wir das Matrix-Protokoll. Sichere, dezentralisierte Kommunikation. Der Quartiersserver hostet unseren eigenen Homeserver. Wir entscheiden über unsere Daten. Keine Werbung. Keine Algorithmen.

Wissen & Fähigkeiten

Viele Menschen im Quartier haben spezialisiertes Wissen: Handwerk, Programmierung, Gartenbau, Reparaturen, Unterricht. Der Quartiersserver schafft Räume, dieses Wissen zu teilen. Ein lokales Netzwerk von Fähigkeiten, das der ganzen Community zugute kommt.

Digitale Bildung

Jugendliche lernen am besten, wenn sie selbst etwas bauen. Der Quartiersserver ermöglicht das: Eigene Gaming-Server verwalten, lokale Netzwerk-Infrastruktur verstehen, Server-Administration lernen – nicht theoretisch, sondern praktisch, mit echten Verantwortungen.

Vertrauen & Sicherheit im lokalen Raum

Das Internet macht Angst. Phishing, Passwörter, Datendiebstahl, Betrug – viele Menschen wissen nicht, wie sie sich schützen sollen. Und oft helfen globale Konzerne nicht, sie verschärfen das Problem.

Im Quartier ist das anders: Wir kennen uns. Es gibt vertrauenswürdige Personen in unmittelbarer Nähe, die helfen können. Ein 14-Jähriger, der seinen Discord-Server administriert, kann jemandes Passwort-Manager einrichten. Eine IT-Fachperson im Haus nebenan kann digitale Sicherheit erklären. Ein Handwerker mit Grundkenntnissen kann defekte Hardware reparieren.

Lokale digitale Souveränität entsteht durch Vertrauen und Gemeinschaft, nicht durch globale Sicherheitsversprechen von Konzernen.

Zusammenkommen, bevor wir uns verlieren

Das Internet wird immer größer, undurchschaubarer, kontrollierter. Algorithmen entscheiden, was wir sehen. Konzerne entscheiden, was wir nutzen dürfen. Regierungen versuchen, uns zu überwachen.

Die Antwort ist nicht, sich abzuschotten. Die Antwort ist: Zusammenkommen im lokalen Raum, um digitale Infrastruktur selbst zu gestalten. So wie ein Verein es tut.

Der Quartiersserver ist dieser Versuch. Nicht perfekt. Nicht für jeden. Aber ein Anfang – um wieder Kontrolle zu haben. Um Wissen zu teilen. Um sicher zu kommunizieren. Um Sicherheit nicht einzeln zu suchen, sondern gemeinsam zu bauen.

Vier Säulen